Shinnyo Lantern Floating Hawaii – Das emotionalste Erlebnis nach 8 Hawaii-Reisen
Was bringt 50.000 Menschen an einem Montagabend zum Weinen? Nach 7 verpassten Chancen habe ich es endlich herausgefunden.
Sieben Mal war ich schon auf Oahu. Sieben Mal Strand, Sonne, Aloha-Spirit und etliche Stunden auf den schönsten Wanderungen der Insel. Trotzdem hatte ich etwas Entscheidendes verpasst. Erst beim achten Besuch hat es endlich geklappt: Ich war am Memorial Day dabei, beim Shinnyo Lantern Floating Hawaii am Ala Moana Beach Park. Und ich kann dir vorweg sagen: Kein Sonnenuntergang, keine Wanderung und kein Strandtag hat mich auf dieser Insel jemals so tief berührt wie dieser eine Abend.
Das Shinnyo Lantern Floating Hawaii ist einer der bewegendsten Events, die man auf Oahu erleben kann und gleichzeitig eine Einladung an alle, die Hawaii auch von einer anderen Seite erleben möchten, als die typischen Touristenziele.
In diesem Artikel nehme ich dich mit – zu meinen Eindrücken, aber auch zur faszinierenden Geschichte dahinter und zum genauen Ablauf, falls du selbst einmal dabei sein möchtest. Und falls du deinen Oahu-Trip noch planst, findest du in meinem Überblick zu den schönsten Sehenswürdigkeiten auf Oahu jede Menge weitere Inspiration.
Was ist das Shinnyo Lantern Floating Hawaii überhaupt?
Das Shinnyo Lantern Floating Hawaii ist eine Zeremonie, die jedes Jahr am Memorial Day, dem letzten Montag im Mai, im Ala Moana Beach Park in Honolulu stattfindet. Bei Einbruch der Dunkelheit werden kerzenbeleuchtete Laternen aufs Wasser gesetzt, jede eine stille Botschaft für Verstorbene, für Frieden, für das, was man nicht in Worte fassen kann.
Das Schöne daran: Jeder ist willkommen, unabhängig von Glauben oder Herkunft. Es geht nicht um Religion im engen Sinn, sondern um einen gemeinsamen Ausdruck von Liebe und Erinnerung. Das Motto der Zeremonie lautet „Many Rivers, One Ocean“ („Viele Flüsse, ein Ozean“), ein wunderschönes Bild dafür, wie aus vielen persönlichen Momenten der Stille ein kollektives Gefühl von Harmonie und Mitgefühl wird. Auf Hawaiianisch trägt dieses Geschenk den Namen „Ka Lei Moana“.



Die Geschichte dahinter – mehr als nur schöne Lichter
Was viele Besucher nicht wissen: Hinter dem Event steckt eine bewegende Entstehungsgeschichte.
Der Ursprung reicht zurück ins Jahr 1970, als der Gründer von Shinnyo-en Hawaii besuchte. Er erwies dem Punchbowl (dem National Memorial Cemetery of the Pacific) und dem USS Arizona Memorial in Pearl Harbor seine Ehrerbietung. Tief bewegt von dieser Erfahrung entstand in ihm der Wunsch, ein Laternenschwimmen abzuhalten, bei dem Menschen ihre Hoffnungen auf Frieden teilen können.
Seine Nachfolgerin, Ihre Heiligkeit Shinso Itō, setzte diesen Wunsch in die Tat um, inspiriert auch von einer Geschichte aus den amerikanischen Südstaaten: Frauen besuchten nach dem Bürgerkrieg einen Friedhof, um die Gräber gefallener Soldaten zu schmücken, und legten dabei auch Blumen auf die vernachlässigten Gräber der gegnerischen Seite. Aus dieser Geste der Versöhnung erwuchs eine Tradition. Am Memorial Day 1999 fand schließlich das erste Shinnyo Lantern Floating Hawaii statt.
Die ersten drei Jahre wurde die Zeremonie an der Keʻehi Lagoon abgehalten, bevor sie 2002 zum Ala Moana Beach umzog. Während der Corona-Pandemie (2020–2022) fand das Event nur als TV- und Internet-Übertragung statt, bevor es 2023 an den Strand zurückkehrte. 2024 feierte das Lantern Floating sein 25-jähriges Jubiläum.
| ⏰ | 📍 | ⛺ | 🔔 | 🎫 |
| Memorial Day (letzter Montag im Mai) | Ala Moana Beach Park, Honolulu, Oahu | Laternen-Zelt: 10:00 – 16:00 Uhr | Beginn: 18:30 Uhr | Kostenlos |
- Jedes Jahr werden rund 6.000 Laternen aufs Wasser gesetzt.
- Es gibt drei Arten: Guiding Lanterns (sechs große Laternen, die stellvertretend Gebete für alle Seelen tragen), Collective Remembrance Lanterns (die ursprünglichen Holzrahmen-Laternen, die mehrere weltweit eingereichte Erinnerungen tragen) und Individual Lanterns (kostenlose Laternen für einzelne Familien oder Gruppen mit drei beschreibbaren Seiten).
- Die Laternen sind so konstruiert, dass sie sich an speziellen Leinen im Wasser fangen – so treiben sie nicht aufs offene Meer hinaus. (Der Umwelt zur Liebe).
- Direkt nach der Zeremonie paddeln Freiwillige in Kanus hinaus und holen jede einzelne Laterne wieder ein.
- Anschließend werden die Laternen gereinigt und für die Folgejahre aufbewahrt. Die Erinnerungen und Gebete werden auf spirituell respektvolle Weise entfernt.
Wie läuft die Zeremonie ab?
Die Zeremonie hat eine klare Abfolge, welche hawaiianische und buddhistische Traditionen miteinander verbindet:
- Eröffnung (Pū & Taiko)
Das hawaiianische Muschelhorn weiht den Ort und eröffnet die Zeremonie, die Taiko-Trommeln rufen die Menschen als Friedensgebet zusammen.
- Einstimmung (Oli & Hula)
Ein hawaiianischer Gesang öffnet die Herzen der Anwesenden, begleitet von Hula, der durch Tanz die Harmonie mit Land, Wasser und Himmel ausdrückt.
- Die Guiding Lanterns
Sechs große Leitlaternen werden vorbereitet, die stellvertretend Gebete für alle Seelen tragen: für Opfer von Krieg, Katastrophen, Hungersnöten und Krankheiten.
- Sharing of Lei
Vertreter der Gemeinschaft legen ehrfürchtig Blumenketten (Lei) auf die Leitlaternen, als Zeichen von Heilung und Verbundenheit.
- Segnung (Blessing & Offering)
Ihre Heiligkeit Shinso Itō segnet den Bereich, die Laternen und alle Teilnehmenden; ein Ritual bietet den Seelen symbolisch Nahrung dar.
- Gesang & Blütenstreuen (Shomyo & Sange)
Buddhistischer Chant verschmilzt mit westlicher Chormusik, während Blütenblätter den Weg der Leitlaternen zum Meer reinigen.
- Das Glockensignal & Floating
Der klare Klang der Glocke bündelt alle Gedanken, anschließend gleiten tausende Laternen aufs Wasser: der emotionale Höhepunkt des Abends.
- Abschluss (Hawaii Aloha)
Gemeinsam wird das Lied „Hawaiʻi Aloha“ gesungen, das Liebe und Verbundenheit mit Gemeinschaft und Land ausdrückt.
Mein ganz persönliches Erlebnis – mittendrin, ohne eigene Laterne
Ich will ehrlich sein: Ich habe selbst keine Laterne aufs Wasser gesetzt. Ich stand mittendrin, zwischen den Menschen, und habe einfach nur beobachtet, gespürt, aufgesogen.
Und genau das hat mich so überrascht. Ich hatte erwartet, dass man „nur“ wirklich dabei ist, wenn man eine eigene Laterne hat. Aber die Stimmung an diesem Abend war so dicht, so emotional aufgeladen, dass sie mich vollkommen mitgezogen hat. Um mich herum Familien, die still wurden. Menschen, die schrieben, weinten, lächelten, sich umarmten. Eine Atmosphäre aus Trauer und Frieden zugleich, aber auch aus Zusammenhalt und leiser Freude. Schwer in Worte zu fassen.
Denn die Laternen sind weit mehr als nur Lichter auf dem Wasser. Jede einzelne ist eine Botschaft, mit viel Mühe gestaltet: manche mit Sprüchen, manche mit Bildern der Verstorbenen, manche mit persönlichen Nachrichten. Jede ist individuell, jede erzählt eine eigene Geschichte und doch gleiten sie alle gemeinsam in denselben Sonnenuntergang hinaus.
Dieses Meer aus warmem Licht, das kollektive Innehalten von fünfzigtausenden Menschen… Alle waren für einen Moment miteinander verbunden. Fremde, die plötzlich dasselbe fühlten, das war einer der bewegendsten Momente, die ich auf Hawaii je erlebt habe.
Das Shinnyo Lantern Floating steht jedem offen, unabhängig von Herkunft, Religion oder Überzeugung. Und diese Offenheit spürt man. Es gibt keine Barriere zwischen „Zugehörigen“ und „Außenstehenden“. Du bist da, du bist willkommen. Mehr braucht es nicht.
Praktische Tipps für deinen Besuch
Anreise:
Rund um den Ala Moana Beach Park wird es eng und Parkplätze sind extrem begehrt. Wenn Du rechtzeitig mit dem Auto anreist, nutze das Ala Moana Shopping Center (10 Minuten Fussweg von dort) oder plane öffentliche Verkehrsmittel, ein Taxi oder einen langen Fußweg ein. (Wir waren bereits um 13 Uhr vor Ort und haben im Ala Moana Shopping Center geparkt)
Timing:
Sei mehrere Stunden vorher da, wenn du einen guten Platz mit Sicht aufs Wasser willst. Der Ala Moana Beach ist ohnehin einer der schönsten Stadtstrände der Insel. Am besten mach einen ganzen Strandtag daraus. Wenn du noch mehr Sand unter den Füßen suchst, findest du in meiner Übersicht der 10 schönsten Strände auf Oahu echte Traumstrände und Geheimtipps.
Laterne ergattern:
Wenn du selbst eine individuelle Laterne aufs Wasser setzen möchtest, hol sie dir am Veranstaltungstag am Laternen-Zelt (eine pro Familie/Gruppe). Auch hier solltest Du früh genug da sein, denn die Laternen sind begehrt.
Mitbringen:
Eine Decke oder ein Strandtuch, Wasser, etwas zu essen.
Respekt:
Es ist eine Gedenkzeremonie. Genieße sie, fotografiere gern, aber mit Achtsamkeit gegenüber den Menschen, die hier um geliebte Verstorbene trauern.
Wer nicht vor Ort sein kann:
Die Zeremonie wird live gestreamt auf der offiziellen Website https://lanternfloatinghawaii.com.
Fazit: Das Event, das ich beinahe verpasst hätte
Acht Reisen nach Oahu hat es gebraucht, bis ich endlich zur richtigen Zeit da war. Im Nachhinein ärgert es mich fast, dass ich es so lange verpasst habe und gleichzeitig bin ich unendlich dankbar, dass ich es jetzt erlebt habe.
Wenn deine Reise nach Hawaii jemals auch nur in die Nähe des Memorial Day fällt: Plane diesen Abend fest ein. Du brauchst keine eigene Laterne, keinen bestimmten Glauben und keine perfekte Vorbereitung. Du musst nur da sein, dich öffnen und dich von diesem Lichtermeer mittragen lassen.
Es ist eines der schönsten und bewegendsten Erlebnisse, die Oahu zu bieten hat. Und das will nach acht Besuchen wirklich etwas heißen.

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