Telluride im Herbst: Boxcanyon, Last Dollar Road und die Dancing Aspens von Ophir

Eine Stadt im engen Boxcanyon, umringt von Viertausendern, mit einer Hauptstraße aus dem 19. Jahrhundert und einem Tal voller goldener Espen.

HöheBeste ZeitGondel
2.659 mSep–Oktkostenlos

Telluride liegt eingebettet in einem engen Boxcanyon auf 2.659 Metern, umgeben von Gipfeln über 4.000 Metern und im Herbst färben sich die Espen im Tal golden, bis einem das Ganze buchstäblich den Atem nimmt.

Ankunft in Telluride im Herbst: der erste Blick

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis für sich. Die letzten Kilometer führen durch das San Miguel Valley, dessen Hänge im Herbst in leuchtendem Gold stehen. Dann biegt man um eine Kurve, und plötzlich liegt alles vor einem: das Tal, die Stadt, die Felswände ringsum und ganz hinten im Canyon der weiße Schleier des Bridal Veil Falls.

Der Boxcanyon

Die kostenlose Gondel: Tellurides bestes Angebot

Eine der großzügigsten Attraktionen Colorados kostet keinen Cent. Die Gondel zwischen Telluride und dem Mountain Village hoch über dem Tal fährt täglich und ist für alle gratis, ob Besucher, Einheimische, Wanderer oder einfach Neugierige.

Die Fahrt dauert rund 13 Minuten und überwindet etwa 600 Höhenmeter. Was sich oben öffnet, ist einer der schönsten Ausblicke Colorados: das goldene Boxcanyon tief unter einem, die Berggipfel auf Augenhöhe und an klaren Herbsttagen ein Horizont, der bis zu den La Sal Mountains in Utah reicht.

Das Mountain Village selbst ist ein modernes Skiresort, im Herbst aber ruhig und fast menschenleer. Die Restaurants und Cafés haben geöffnet und freuen sich über jeden Gast, der nicht auf Schnee wartet. Aktuelle Betriebszeiten der Gondel findest du auf der offiziellen Telluride-Tourismusseite.

Die kostenlose Gondel von Telluride

Mountain Village

Mein Tipp
Nimm die Gondel früh morgens, wenn das Licht schräg ins Tal fällt und der Nebel noch in den Espenwäldern hängt. Das ist Telluride in seiner schönsten Form.

Bridal Veil Falls: der höchste freie Wasserfall Colorados

Bridal Veil Falls · 111 m · höchster frei fallender Wasserfall Colorados

Am östlichen Ende von Telluride, direkt hinter der letzten Straßenkurve, stürzt der Bridal Veil Falls über 111 Meter senkrecht in die Tiefe und ist damit der höchste frei fallende Wasserfall Colorados. Oben thront ein historisches Kraftwerk aus dem Jahr 1907, das noch heute in Betrieb ist.

Der Wanderweg hinauf ist kurz, aber steil, etwa 2,5 Kilometer mit rund 300 Höhenmetern. Im Herbst führt er durch goldgelbe Espen, die Felswände schimmern nass vom Sprühnebel, und oben wartet ein Blick zurück ins Tal, der die Anstrengung um ein Vielfaches aufwiegt. Wer nicht wandern möchte, sieht den Wasserfall auch von unten am Straßenende eindrucksvoll genug.

Bridal Veil Falls

Tellurides Hauptstraße: Geschichte zum Anfassen

Die Colorado Avenue, Tellurides Hauptstraße, ist ein lebendiges Stück amerikanischer Westgeschichte. Viktorianische Gebäude aus der Goldgräberzeit, sorgfältig restauriert und bunt gestrichen, säumen die Straße auf beiden Seiten. Kleine Restaurants, Weinbars, Kunstgalerien und Outdoor-Shops wechseln sich ab.

Im Herbst sind die Terrassen noch geöffnet, die Stimmung ist entspannt, und die Mischung aus Einheimischen und Reisenden fühlt sich angenehm an, weder überlaufen noch ausgestorben. Telluride hat auch außerhalb der Festivalsaison Charakter. Vielleicht sogar mehr.

Eines solltest du wissen: Die Restaurants sind gut besucht, und viele arbeiten nach dem Prinzip first come, first serve, nehmen also keine Reservierung an. Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt früh am Abend. Unser persönlicher Favorit ist der Brown Dog, eines der trendigsten Lokale der Stadt, direkt an der Colorado Avenue. Hier gibt es die beste Detroit-Style-Pizza, die wir je gegessen haben: dicke, luftige Kruste, knusprige Ränder aus karamellisiertem Käse. Kein leeres Versprechen der Speisekarte, das Lokal hat tatsächlich Titel bei den Pizza-Weltmeisterschaften in Italien geholt. So gut, dass wir gleich zweimal dort waren.

Ein kleines historisches Detail am Rande: Die erste Bankräuberei von Butch Cassidy fand 1889 in Telluride statt. Die San Miguel Valley Bank gibt es noch heute, inzwischen als Souvenirladen.

Telluride- Colorado im Herbst

Telluride

Last Dollar Road: komplett gefahren, eng, wild, unvergesslich

Last Dollar Pass · ~3.250 m · unbefestigt, 4×4 mit Bodenfreiheit

Von Ridgway führt die Last Dollar Road über den Last Dollar Pass auf rund 3.250 Metern Richtung Telluride, eine unbefestigte Schotterstraße durch eine der fotogensten Landschaften Colorados. Wir sind sie komplett gefahren: eng, ohne Leitplanken, mit Panoramen auf das Sneffels-Massiv, die man so schnell nicht vergisst. An manchen Stellen passen kaum zwei Fahrzeuge aneinander vorbei. Wer Gegenverkehr hat, braucht Geduld und starke Nerven und muss manchmal bis zur nächsten Ausweichstelle zurücksetzen.

Last Dollar Road – Colorado im Herbst

Für Filmfans ist diese Straße ein besonderer Ort. Die verfallene Ross Ranch, der Familienhof der jungen Mattie Ross aus dem Western True Grit von 1969, liegt direkt am Weg. Die Gebäude sind bis heute vom Straßenrand aus zu sehen und werden als Privatgrund respektiert. Hier wurden Anfangs- und Schlussszene des Films gedreht, jener Film, für den John Wayne seinen einzigen Oscar erhielt. Das berühmte Finale selbst entstand übrigens nicht hier, sondern weiter nördlich am Owl Creek Pass, ein häufiges Missverständnis.

Last Dollar Road - Colorado im Herbst

Ein Ort für Film Fans und von John Wayne

Praktisches zur Last Dollar Road

Fahrzeug: 4×4 mit hoher Bodenfreiheit ist Pflicht, ein normaler Mietwagen reicht nicht.
Nur bei trockenem Wetter: Nach Regen wird die unbefestigte Strasse schnell rutschig.
Beste Zeit: früh morgens, wegen des Lichts auf dem Sneffels-Massiv.

Last Dollar Road

Ophir: das kleinste Postoffice und die Dancing Aspens

Südlich von Telluride, etwa 20 Kilometer entfernt, liegt Ophir, ein winziges Dorf, aufgeteilt in East und West Ophir, mit kaum 200 Einwohnern. Zwischen den beiden Ortsteilen liegt bewusst ein leerer Streifen Land, denn hier kommen im Winter die Lawinen herunter, und niemand darf dort bauen.

Ophir hat eines der kleinsten Postoffices der USA, ein winziges Gebäude, aufgeteilt in 200 Postfächer und einen Arbeitsbereich für die Postbotin, getrennt durch eine halbe Tür. Die Häuser im Ort sind mit handgemalten Schildern geschmückt, die Besucher bitten, langsam zu fahren, und manche Zäune bestehen aus alten Skiern.

Ganz in der Nähe stehen die berühmten Dancing Aspens, Espenbäume, deren Stämme durch starke Winde und den Schneedruck der Hänge in geschwungenen, fast tanzenden Formen gewachsen sind. Im Herbst golden gefärbt, vor dem Panorama der umliegenden Gipfel, sind sie eines der meistfotografierten Motive der ganzen Region.

Telluride & Ophir Herbst in Colorado

Post Office von Ophir

Ophir Pass: nur ein Stück gefahren

Ophir Pass · 3.593 m · 4×4 empfohlen, Richtung Silverton

Von Ophir führt der Ophir Pass auf 3.593 Metern hinüber Richtung Silverton, eine der spektakulärsten 4×4-Strecken der San Juan Mountains. Wir sind nur ein Stück gefahren. Die Straße gilt als mäßig schwierig und ist größtenteils gut befahrbar, hat aber auf der Westseite einen herausfordernden Abschnitt, eine sehr enge, felsige Stelle, an der das Passieren für unerfahrene Fahrer einschüchternd sein kann.

Praktisches zum Ophir Pass

Allrad ist nicht zwingend, aber stark empfohlen, hohe Bodenfreiheit dagegen Pflicht.
Vorfahrt: Bergauf-Fahrer müssen Bergab-Fahrern den Vortritt lassen.
Saison: meist ab Mitte Juni schneefrei und offen. Im Herbst kann ab September bereits der erste Schnee fallen und den Pass komplett sperren, daher vorher den Straßenstatus prüfen.

Ophir in seinen schönsten Farben

Wo in Telluride übernachten: unsere Hoteltipps

Zuerst eine Einordnung, die vieles erklärt: „Telluride“ besteht eigentlich aus zwei Orten, dem historischen Telluride unten im Tal und dem moderneren Mountain Village oben am Berg, verbunden durch die kostenlose Gondel. Unten gibt es mehr Geschichte, Restaurants und Atmosphäre, oben mehr Resortkomfort und Ausblick. Für einen Herbstbesuch würden wir das historische Telluride empfehlen, weil man abends einfach zu Fuß losziehen kann.

Meine Hotelempfehlung:
👉Beste Lage
👉Ausserhalb von Telluride – sehr gutes Preis-Leistungs Verhältnis

Tipp zur Buchung
Im Herbst sind die Kapazitäten begrenzt und gute Häuser schnell weg. Früh buchen lohnt sich, und wer flexibel ist, bekommt unter der Woche oft deutlich bessere Preise als am Wochenende. Beim Parken gilt: Viele zentrale Hotels haben nur kostenpflichtige Garagenplätze, das kostenlose Parken am Stadtrand ist aber nur wenige Gehminuten entfernt.

Praktisches

Geparkt wird in Telluride kostenlos am östlichen Stadtende und das ist sogar kostenlos. Von dort führt ein schöner Weg am Flüsschen entlang, eingerahmt von Herbstbäumen, in wenigen Minuten bis in die Stadt und zur Gondel, sehr idyllisch und ein gelungener Auftakt für jeden Tag. Die Gondel fährt täglich und ist ebenfalls kostenlos. Die Betriebszeiten wechseln je nach Saison, daher lohnt sich ein kurzer Blick auf die offizielle Website. Unterkünfte sind im Herbst gut verfügbar, sollten aber früh gebucht werden, weil die Stadt nur begrenzte Kapazitäten hat.

Der Weg in die Innenstadt von Telluride

Lohnt sich Telluride? Unser ehrliches Fazit

Telluride ist einer jener Orte, bei denen man schon beim Abfahren weiß: Ich komme wieder. Das Tal, die Gondel, der Wasserfall, die Hauptstraße, das Licht im Herbst, alles zusammen ergibt ein Bild, das sich festsetzt.

Die Last Dollar Road, Ophir mit seinem winzigen Postoffice und den Dancing Aspens, der Ophir Pass, all das ergänzt Telluride um eine ganz andere Erfahrung: wild, eng, fotogen und mit einem Stück Hollywoodgeschichte mitten in den San Juans. Wer ein 4×4 hat, sollte sich das nicht entgehen lassen. Wer keines hat, nimmt die asphaltierten Hauptstraßen und verpasst trotzdem nichts Wesentliches in Telluride selbst.

Wer Colorado im Herbst bereist und Telluride überspringt, hat die falsche Abzweigung genommen.

Dieser Artikel ist Teil unseres Colorado Herbst Road Trip Serie.

Zur kompletten Route: Colorado Road Trip im Herbst, die ultimative Route durch die Rockies.

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