Ouray, Million Dollar Highway, Silverton und Durango
Es gibt Straßen, die man fährt. Und es gibt den Million Dollar Highway. Drei völlig unterschiedliche Orte, eine Straße, die sie verbindet, und ein Tag, der sich anfühlt wie drei.
| Red Mountain Pass | Etappe | Zeit |
| 3.358 m | ca. 220 km | 6–8 Std. |
Eine der dramatischsten Bergstraßen Nordamerikas führt von Ouray über Silverton nach Durango. An den steilsten Stellen ganz ohne Leitplanken, mit Abgründen, die Hunderte Meter in die Tiefe fallen, und Aussichten, die so unwirklich schön sind, dass man immer wieder abbremst, obwohl man genau weiß, dass hinter einem jemand wartet.
Von Telluride kommend führte uns der Weg zunächst über den Dallas Divide nach Ouray, von dort weiter auf dem legendären Million Dollar Highway nach Silverton und schließlich hinunter nach Durango. Diese Etappe war eine der stärksten unseres gesamten Colorado Road Trips. Drei sehr unterschiedliche Orte, verbunden durch eine einzige legendäre Straße, und am Ende ein Tag, der sich anfühlt, als hätte man drei erlebt.
Ouray: das Schweizer Dorf Amerikas
Ouray · 2.375 m · von Felswänden umschlossenes Bergtal
Die Fahrt von Telluride über den Dallas Divide ist schon für sich ein Genuss, mit weiten Blicken auf das Sneffels-Massiv, bevor sich die Straße ins Tal von Ouray hinabsenkt. Ouray liegt auf 2.375 Metern in einem engen Bergtal, das auf drei Seiten von Felswänden umschlossen ist, als hätte jemand eine Schweizer Bergstadt in die San Juan Mountains versetzt. Der Vergleich ist nicht übertrieben. Die Silhouette der umliegenden Gipfel, die bunten viktorianischen Fassaden der Hauptstraße und die heißen Thermalquellen mitten im Ort ergeben zusammen ein Bild, das man so in den USA kaum erwartet.

Ouray
Die Main Street
Die Main Street ist kompakt, gut erhalten und angenehm zu durchstreifen. Restaurants, Bars, Kunstgalerien, Outdoor-Shops reihen sich aneinander, dazwischen auch einige Souvenirläden.
Eine eigene Brauerei gibt es ebenfalls, mit einer Dachterrasse, von der aus man bei einem lokalen Bier den Blick über die Straße und auf die Felswände dahinter genießt. Im Herbst leuchten diese rot und orange, und der Himmel ist so blau, dass er fast unwirklich wirkt.
Main Street Ouray
Ouray Hot Springs
Wir selbst sind nur durch Ouray gefahren, weshalb wir die Quellen nur im Vorbeifahren gesehen haben. Als Info für alle, die mehr Zeit haben: Das natürliche Thermalbecken der Ouray Hot Springs liegt mitten in der Stadt, das warme Wasser kommt direkt aus den heißen Quellen des Untergrunds, und der Blick auf die umliegenden Gipfel gilt gerade im Abendlicht als unschlagbar. Ein beliebter Abschluss nach einem langen Fahrtag. Öffnungszeiten und Preise wechseln je nach Saison, daher vorab kurz auf der Website nachsehen.
Box Canyon Falls
Ebenfalls einen Stopp wert, wenn man länger bleibt: der Box Canyon Falls Park direkt am Ortsrand. Ein enger Canyon, an manchen Stellen kaum zwei Meter breit, durch den ein Wasserfall donnert. Über einen kurzen Weg gegen eine kleine Gebühr kommt man bis dicht an diese ungewöhnliche Felsschlucht heran. Wir haben sie uns für den nächsten Besuch vorgemerkt.
Million Dollar Highway: keine Leitplanken, volle Aufmerksamkeit
Red Mountain Pass · 3.358 m · keine Leitplanken
Der US-550 zwischen Ouray und Silverton ist eine der berühmtesten Bergstraßen der USA und einer der wenigen Orte in Colorado, an denen man beim Fahren wirklich die volle Konzentration braucht.
Die Straße windet sich in engen Kehren über drei Pässe, der höchste und spektakulärste ist der Red Mountain Pass auf 3.358 Metern. Die Flanken des Berges sind durch eisenhaltige Mineralien rostrot gefärbt, und im Herbst, wenn die Espen ringsum golden leuchten, ergibt dieser Kontrast aus Rot, Gold und blauem Himmel einen der fotogensten Anblicke der ganzen Reise. Überhaupt reiht sich hier oben ein Wow-Moment an den nächsten, an gefühlt jeder Kehre ein neuer Fotostop.
Der Million Dollar Higway
An mehreren Stellen fehlt der Straße jede Leitplanke, direkt neben dem Asphalt geht es Hunderte Meter in die Tiefe. Bedrohlich ist das nicht, solange man konzentriert fährt. Es ist allerdings der denkbar falsche Ort, um aufs Handy zu schauen.
Ihren Namen hat die Straße übrigens von den Erzgruben entlang der Route. Angeblich war allein der Grund unter der Fahrbahn eine Million Dollar wert. Eine andere Version sagt, der Bau habe eine Million Dollar pro Meile gekostet. Welche Erklärung stimmt, ist bis heute umstritten.
Silverton: Goldgräberstadt auf 2.840 Metern
Silverton · 2.840 m · National Historic Landmark
Nach der Fahrt über den Red Mountain Pass liegt Silverton plötzlich im Tal, eine der am besten erhaltenen Goldgräberstädte Colorados, auf rund 2.840 Metern Höhe, mit einer Hauptstraße, die aussieht, als hätte man sie für einen Western gebaut. Die Greene Street, Silvertons Hauptachse, ist gesäumt von historischen Backsteingebäuden aus dem späten 19. Jahrhundert, und in der Luft liegt eine Mischung aus klarer Bergluft und Holzrauch. Wir sind in Ruhe durch den Ort gelaufen und haben ihn einfach auf uns wirken lassen.
Silverton, Colorado
Die Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad
Und dann war da die Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad. Eine historische Schmalspurbahn, die seit 1882 zwischen Durango und Silverton verkehrt, gezogen von original erhaltenen Dampflokomotiven, durch eine der wildesten Flusslandschaften Colorados. Das Beeindruckende daran: In den Animas Canyon, durch den sie fährt, führt keine einzige Straße. Die Bahn ist der einzige Weg ins Herz dieser Schlucht.
Wir selbst sind nicht mitgefahren, haben in Silverton aber bewusst auf die Ankunft des Zuges gewartet, um vor dem Ort am Fluss ein paar eindrucksvolle Drohnenaufnahmen zu machen: die Dampflok, der weiße Rauch über dem goldenen Tal, die alten Waggons, die sich durch die Landschaft schieben. Ein Bild aus einer anderen Zeit, mitten in der Gegenwart. Auch ohne Ticket war das einer der schönsten Momente des Tages.
Das Pfeifen, der Dampf, das Rattern der Waggons. Wer das einmal gesehen hat, versteht, warum diese Bahn seit über 140 Jahren fährt.
Wer die ganze Strecke erleben möchte: Die Fahrt von Durango nach Silverton und zurück dauert einen ganzen Tag und gehört zu den beliebtesten Ausflügen in ganz Colorado. Wir können das Erlebnis uneingeschränkt empfehlen, gerade für Familien mit Kindern ist es ein Höhepunkt. Im Herbst sind die Züge oft ausgebucht, daher lohnt sich frühes Buchen.
Durango & Silverton Narrow Gauge Railroad
Durango: wo die Dampflok zu Hause ist
Durango · 1.985 m · größte Stadt der San-Juan-Region
Durango ist die größte Stadt der San-Juan-Region, und nach Tagen in kleinen Bergstädten und auf einsamen Pässen fühlt sie sich fast urban an. Fast.
Die Main Avenue ist lebendig, ohne laut zu sein: gute Restaurants, Craft-Beer-Bars, Buchhandlungen und Outdoor-Stores. Der Animas River Trail führt als Rad- und Fußweg am Fluss entlang durch die Stadt, im Herbst mit Bäumen in vollem Goldgelb, ideal für einen entspannten Abendspaziergang. Wir sind einfach durch die Stadt gelaufen und haben sie auf uns wirken lassen. Und immer wieder, mitten im Bummeln, hörte man sie: das tiefe Trompeten der alten Dampflok, die irgendwo in der Stadt ihre Runde drehte, ein Geräusch, das Durango eine ganz eigene Stimmung gibt.
Durango
Wir haben eine Nacht hier verbracht. Nach dem Adrenalin des Million Dollar Highway war das genau das Richtige: gutes Essen, ein lokales Bier, früh ins Bett.
Wer mehr Zeit hat, findet rund um Durango weitere Ziele. Der historische Bahnhof an der Main Avenue, von dem die Züge nordwärts nach Silverton starten. Und der Mesa Verde Nationalpark mit seinen berühmten Felsbehausungen, der etwa 90 Minuten westlich liegt und sich gut als Tagesausflug eignet.
Wo übernachten: unser Tipp ist Durango
Auf dieser Etappe würden wir Durango als Übernachtungsort empfehlen. Ouray lohnt sich als Tagesstopp, aber Durango ist die größere Stadt mit der besseren Auswahl an Hotels und Restaurants, und nach dem langen Fahrtag über den Million Dollar Highway der ideale Ort, um anzukommen. Wir haben hier beide Male übernachtet.
In Durango lohnt sich die Lage an oder nahe der Main Avenue, damit man abends zu Fuß unterwegs sein kann. Zentral und historisch ist das General Palmer Hotel gleich beim Bahnhof, ideal, wenn ihr am nächsten Morgen die Dampfeisenbahn nehmen wollt (Verfügbarkeit & Preise prüfen*).
Andere Optionen die eine tolle Alternative sind:
👉Durango Downtown*
👉schöne Lage am Animas River*
Wer lieber frei vergleicht, findet hier alle Unterkünfte in Durango auf einen Blick.*
Tipp zur Buchung
Im Herbst ist Durango gut besucht, vor allem an Wochenenden und rund um die Zugabfahrten. Wer früh bucht, hat die bessere Auswahl und die faireren Preise.
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Lohnt sich diese Etappe? Mein ehrliches Fazit
Ouray, der Million Dollar Highway, Silverton, die Dampflokomotive und Durango, das ist Colorado in seiner konzentriertesten Form. Geschichte, Natur, Adrenalin und Gemütlichkeit an einem einzigen Tag. Wer diese Etappe plant, sollte sich Zeit lassen. Die Straße zwingt ohnehin dazu, und die Landschaft dankt es einem mit jedem Kilometer.
Diese Etappe vergisst man nicht.

Molas Pass Cabin
Dieser Artikel ist Teil unseres Colorado Herbst Road Trip Serie.
Zur kompletten Route: Colorado Road Trip im Herbst, die ultimative Route durch die Rockies.
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