Phantom Canyon, Cripple Creek und Colorado Springs: das große Finale

Eine verlassene Schotterstraße durch einen Geistercanyon, ein riesiger Troll, die wilden Esel einer Goldgräberstadt und ein Sitz, der dich über eine Felskante schießt. Die letzte Etappe vor Denver hatte alles.

Phantom CanyonCripple CreekFinale
~50 km unbefestigte Strasse2.887 müber Colorado Springs zurück nach Denver

Manche Tage auf einem Road Trip verlaufen nicht nach Plan, und genau diese Tage werden die besten. Die Etappe von den Great Sand Dunes über die Phantom Canyon Road nach Cripple Creek und weiter nach Colorado Springs war so ein Tag. Eine verlassene Schotterstraße durch einen Geistercanyon, ein riesiger Holztroll an einem alten Minenhang, wilde Esel mitten in der Stadt und ein Platten, der uns zu den herzlichsten Menschen führte, die wir in Colorado getroffen haben.

Phantom Canyon Road: Colorado auf dem alten Gleisbett

~50 km · Schotter · kein Netz, keine Tankstelle

Die Phantom Canyon Road beginnt südlich von Cañon City und folgt auf rund 50 Kilometern dem Trassee der alten Florence & Cripple Creek Railroad, einer Schmalspurbahn, die Ende des 19. Jahrhunderts Gold und Erz aus den Bergwerken rund um Cripple Creek ins Tal transportierte. Die Schienen sind längst verschwunden, die Trasse nicht.

Was bleibt, ist eine der ungewöhnlichsten Straßen Colorados: unbefestigt, eng, gewunden, mit niedrigen Tunneln und hölzernen Brücken über den Eightmile Creek. Unterschätzen sollte man sie aber nicht, denn neben losem Schotter warten auch spitze Steine und tiefe Löcher, die einem niedrigen Auto schnell zum Verhängnis werden. Die Felswände rücken stellenweise so nah zusammen, dass man unwillkürlich die Außenspiegel einklappt. Im Herbst fällt das Licht schräg und golden in die Schlucht, die Bäume an den Hängen leuchten, und man kommt nur langsam voran, was hier aber kein Nachteil ist.

Phantom Canyon Road - Colorado im Herbst

Phantom Canyon Road

Was Du wissen musst:

Länge: Die Phantom Canyon Road ist ca. 50 km von Cañon City bis Cripple Creek, mindestens 1,5 bis 2 Stunden ohne Stopps.
Untergrund: nicht nur Schotter, sondern auch spitze Steine und tiefe Löcher. Ein Fahrzeug mit hohem Unterboden ist hier dringend nötig, sonst wird es schwer. Allrad ist von Vorteil.
Keine Tankstelle, kein Mobilnetz auf der gesamten Strecke.
Wetter: bei Nässe rutschig bis unbefahrbar, vorher den Bericht prüfen.

Rita the Rock Planter: ein Troll mit einer Botschaft

Kurz bevor Cripple Creek in Sicht kommt, wartet einer der überraschendsten Stopps: Rita the Rock Planter, im Volksmund einfach Rita der Troll. Sie steht nicht etwa versteckt im Wald, sondern oben auf dem Little Grouse Mountain zwischen Cripple Creek und dem Nachbarort Victor, an einem alten Goldminengelände, mit weitem Blick über die Hügel.

Rita der Troll - Colorado im Herbst

Rita the Rock Planter

Rita ist eine Großskulptur des dänischen Künstlers Thomas Dambo, der weltweit riesige Trolle aus recyceltem Holz erschafft, jeder mit einer eigenen Geschichte. Rita ist seine zweite in Colorado, die erste, Isak Heartstone, steht in Breckenridge, das wir auf derselben Reise besucht hatten. Rund sechseinhalb Meter groß kniet sie am Boden und stopft die Löcher zu, die die Goldsucher des 19. Jahrhunderts hinterlassen haben. Eine stille Umweltbotschaft, die umso eindrücklicher wirkt, weil direkt hinter ihr ein aktiver Tagebau die Landschaft aufreißt. Der Kontrast aus der freundlichen Holzfigur und der wunden Bergflanke dahinter bleibt im Kopf.

Rita besuchen

Lage: Little Grouse Mountain an der Highway 67, zwischen Cripple Creek und Victor.
Zugang: kurzer Wanderweg vom Parkplatz
Kosten: kostenlos, kein Ticket nötig

Cripple Creek und Rita - Colorado im Herbst

Der Ausblick bei Rita the Rock Planter

Cripple Creek: Goldgräberstadt auf 2.887 Metern

Cripple Creek · 2.887 m · einst eines der reichsten Goldvorkommen der Welt

Cripple Creek liegt auf 2.887 Metern in einem weiten Hochtal der Rockies und wäre ohne Gold wohl nie entstanden. Ende des 19. Jahrhunderts gehörte die Region zu den reichsten Goldvorkommen der Welt, die Stadt wuchs binnen weniger Jahre auf über 50.000 Einwohner. Heute leben hier rund 1.100 Menschen, und die historischen Gebäude der Bennett Avenue erzählen noch immer von den großen Zeiten.

Der Platten und die Menschen dahinter

Kennengelernt haben wir Cripple Creek auf eine Art, die wir nicht geplant hatten. Nachdem wir Rita verlassen hatten und wieder auf der Hauptstraße unterwegs waren, merkten wir es zuerst an der Anzeige im Auto, der Reifendruck fiel. Beim Aussteigen dann das deutliche Zischen aus dem Reifen. Ein Platten, auf rund 3.000 Metern Höhe, mit noch einigem Weg vor uns. Puh.

Zum Glück war Cripple Creek nicht weit, und was dann folgte, war einer dieser Momente, die man auf Reisen nicht vergisst. Eine lokale Werkstatt half sofort und unkompliziert, die Leute dort waren herzlich, witzig und hilfsbereit auf eine Art, die nur kleine Städte können. Kein Voranmelden, kein Schulterzucken, einfach anpacken und helfen. Und dann der Tipp, den wir dort bekamen: Habt ihr schon die Esel gesehen?

Die wilden Esel von Cripple Creek

Die wilden Burros von Cripple Creek sind kein Touristenkonzept, sondern Geschichte auf vier Beinen. Die Tiere stammen von den Maultieren und Eseln ab, die einst im Goldbergbau als Lasttiere arbeiteten. Als der Bergbau endete, ließ man sie frei, und sie blieben. Heute kümmert sich eine örtliche Organisation um die Herde und sorgt dafür, dass es den Tieren gut geht.

Traditionell streifen die Esel frei durch die Stadt, doch das hängt von der Jahreszeit ab. Zu unserer Zeit im Herbst fanden wir sie auf einer eingezäunten Wiese am Ortsrand, wo sie neugierig an den Zaun kamen und zuverlässig die Show auf jedem Foto stahlen. An einer Station kann man für einen kleinen Betrag passendes Futter kaufen und die Tiere damit füttern. Der Erlös kommt ihrer Betreuung zugute.

Die Esel von Cripple Creek

Wer nur durchfährt, verpasst etwas. Ein kleiner Stopp lohnt sich: die Bennett Avenue entlangschlendern, die historischen Fassaden anschauen, auf Esel warten, einen Kaffee trinken. Für Interessierte gibt das Cripple Creek Heritage Center einen guten Überblick über die Goldgräbergeschichte.

Tipp für den Winter
Wir waren im Herbst dort, aber Cripple Creek ist auch im Winter eine Reise wert. Dann verwandeln die Ice Castles, eine bekannte Eis-Attraktion mit Tunneln, Türmen, Rutschen und nachts farbig beleuchteten Eiswänden, einen Teil des Ortes in eine frostige Märchenwelt. Dazu kommt im Februar das Cripple Creek Ice Festival, bei dem Eisbildhauer die Bennett Avenue in eine Freiluftgalerie aus Eisskulpturen verwandeln. Beides ist stark wetterabhängig, daher vorab die aktuellen Termine prüfen.

Terror-dactyl: der Adrenalinkick über dem Williams Canyon

Von Cripple Creek ging es bergab Richtung Colorado Springs, und auf dem Weg liegt Manitou Springs, ein charmantes historisches Städtchen am Fuß des Pikes Peak, bekannt für seine Mineralquellen, die kleinen Läden und die entspannte Atmosphäre. Direkt darüber, an der Cave of the Winds, wartete dann unser persönlicher Adrenalinmoment der ganzen Reise: der Terror-dactyl. Man wird in einem Sitz über die Felskante des Williams Canyon hinausgeschossen, rund 45 Meter über dem Boden, mit fast 160 Stundenkilometern. Für einen Augenblick ist da nichts unter den Füßen außer Luft und Canyon.

Colorado Canyon Swing: Terror Dactyl

Garden of the Gods: rote Felsen vor Pikes Peak

Garden of the Gods · kostenlos · rote Sandsteinformationen

Nach so viel Adrenalin folgte ein Anblick, der sich vom Gold der Berge völlig unterscheidet und der ganz ohne Nervenkitzel auskommt: der Garden of the Gods. Gewaltige, leuchtend rote Sandsteinformationen ragen senkrecht aus dem Boden, dahinter, an klaren Tagen schneebedeckt, der Pikes Peak.

Wir sind durch den Park gefahren, haben an den schönsten Stellen für Fotos gehalten und sind ein kurzes Stück zwischen den Felsen spaziert. Schon das reicht, um zu verstehen, warum der Ort so berühmt ist. Das Beste daran: Der Garden of the Gods ist komplett kostenlos. Man kann hindurchfahren, an den Aussichtspunkten halten und auf kurzen, gut angelegten Wegen mitten zwischen die Formationen treten. Früh morgens im Herbstlicht, wenn die Sonne den Sandstein zum Glühen bringt, ist es kaum zu überbieten.

Garden of the Gods - Colorado Springs

Garden of the Gods – Colorado Springs

Pikes Peak: der Gipfel über allem

Pikes Peak · 4.302 m · höchster Gipfel der südlichen Front Range

Über Colorado Springs thront der Pikes Peak mit 4.302 Metern. Wir selbst sind nicht hinauf, aber der Vollständigkeit halber: Den Gipfel erreicht man entweder über die historische Zahnradbahn oder über die mautpflichtige Pikes Peak Highway. Wer einen halben Tag übrig hat und schwindelfrei ist, bekommt von oben einen Rundblick, der bei klarem Wetter bis weit in die Prärie reicht. Für uns blieb er diesmal ein eindrucksvoller Begleiter am Horizont.

Übernachten in Colorado Springs

Nach diesem vollen Tag haben wir in Colorado Springs übernachtet, was sich anbietet, weil die Stadt deutlich mehr Auswahl an Hotels und Restaurants hat als die kleinen Bergorte zuvor. Praktisch ist eine Lage in der Nähe des Garden of the Gods oder der historischen Altstadt von Manitou Springs, dann hat man die Highlights gleich vor der Tür und kann am nächsten Morgen entspannt Richtung Denver starten.

Unterkunftstipp Colorado Springs
Wir haben zentral übernachtet, mit kurzen Wegen zu Garden of the Gods und Manitou Springs. Verfügbarkeit & Preise prüfen.* Wer lieber vergleicht, findet hier alle Unterkünfte in Colorado Springs auf einen Blick.*

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Zurück nach Denver: Bison zum Abschluss

Die letzte Etappe führte uns von Colorado Springs zurück nach Denver, wo der Kreis sich schloss. Statt direkt in die Stadt zu fahren, haben wir noch einen Stopp eingelegt, der ein schöner Schlusspunkt war: das Rocky Mountain Arsenal National Wildlife Refuge am Stadtrand, ein riesiges Schutzgebiet mit freilebenden Bisons, nur rund zehn Meilen vom Zentrum entfernt und praktischerweise fast auf dem Weg zum Flughafen.

Rocky Mountain Arsenal National Wildlife Refuge

Die Geschichte dieses Ortes ist bemerkenswert: Wo heute Bisons über die Prärie ziehen, standen einst eine Waffen- und eine Chemiefabrik. Aus dem belasteten Industrieareal wurde eines der größten urbanen Naturschutzgebiete der USA, in dem insgesamt über 330 Tierarten nachgewiesen sind, von Bisons über Hirsche und Kojoten bis zu Adlern und Präriehunden. Vieles davon sind Vögel, und welche Tiere man tatsächlich zu Gesicht bekommt, hängt stark von Jahreszeit und Glück ab. Wir haben über die rund elf Meilen lange Wildlife Drive vor allem die Bisons aus dem Auto beobachtet und unterwegs unzählige Präriehunde gesehen, die rund um ihre Erdbauten saßen. Der Eintritt ist frei. Nach Wochen voller Pässe, Canyons und Goldgräberstädte war es ein passender, ruhiger Abschluss: die größten Tiere der Prärie, einst fast verloren, heute wieder da, mit der Skyline von Denver in der Ferne.

Lohnt sich diese Etappe? Mein ehrliches Fazit

Phantom Canyon Road, Rita, die Esel, der Platten, Garden of the Gods, der Terror-dactyl und die Bisons zum Schluss: Kein einziger dieser Stopps stand am Morgen fest auf dem Plan, und trotzdem ist diese Etappe als eine der lebendigsten Erinnerungen des gesamten Colorado Road Trips geblieben. Sie ist der Beweis, dass der Umweg manchmal das Ziel ist und die Panne der beste Teil des Tages.

Manche Tage verlaufen nicht nach Plan. Und genau diese Tage werden die besten.

Dieser Artikel ist Teil unseres Colorado Herbst Road Trip Serie.

👉Zur kompletten RouteColorado Road Trip im Herbst, die ultimative Route durch die Rockies.

Vorheriger Stopp: Great Sand Dunes Nationalpark

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